Unterwegs

Pferderennen in Leopardstown

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Auf einem Plakat in der Hochschule entdeckte ich dieses Rennen. Ich war sofort begeistert und wollte das gerne sehen.
Pferderennen in Dublin. Ich war noch nie auf so einer Veranstaltung. Und dann noch für Studenten, das kann nur lustig werden.
Na ja, denkste. Ich habe das ganze etwas durch eine rosa-rote Brille gesehen. Zuerst einmal die Tickets, diese konnte man online erwerben (Early-Bird-Tickets)
und wenn diese ausverkauft waren (was bei mir natürlich der Fall war) konnte man für 10 EUR ein Ticket am Eingang des Geländes in Leopardstown kaufen.
So weit so gut. Nächstes Problem, was ziehe ich an. Normalerweise würde ich da ganz einfach mit Jeans, Shirt und Sneakers auftauchen, aber nachdem ich die vielen Fotos auf der Website gesehen hatte, war mir doch ein bisschen anders. Ich sollte wenigstens im Kleid dort sitzen.
Als ich also mir einen Plan zurecht legte doch ein paar „Mädchen-Sachen“ zu kaufen, viel mir immer mehr ein, was ich brauchte: Kleid, Schuhe, Schmuck, etwas fürs Haar vielleicht noch ein Lippenstift und eine Strumpfhose.
Nachdem ich im Geschäft davon abgekommen bin mir ein Kleid zu kaufen und stattdessen auf eine Bluse umstieg, die zu meinem bereits vorhandenen Rock passte, dazu korallfarbenen Schmuck und Schuhe aussuchte und zu Kasse ging, war mir fast zum Heulen. Ich weiß nicht, warum ich mir das ganze Zeug kaufe, ich hoffe wirklich, dass ich es öfters trage als einmal.

Für den Tag des Rennens, hatten sie Sonne und 13 bis 15 Grad Temperatur vorhergesagt. Verdammt, dass ich darauf auch immer wieder reinfalle. Dem irischen Wetterbericht kann man eines glauben, es tritt NIEMALS das ein, was vorhergesagt wird. NIE.
Wie also war das Wetter? Es regnete, ununterbrochen, den ganzen Tag. Ich lies mich davon nicht abbringen, wollte doch endlich mein erstes Pferderennen live erleben.

An diesem Tag erlebte ich gleich eine zweite Premiere (wenn nur ne kleine) ich fuhr zum ersten Mal mit der LUAS (Straßenbahn) und benutzte als Ticket meine Leap Card. Das heißt vorm Einsteigen hält man die Karte an den Automaten und ist somit eingecheckt und beim Aussteigen checkt man am Automaten auch wieder aus.
In Leopardstown wusste ich erst mal nicht wo ich lang muss und leider gab es auf der Website keine eindeutige Adresse, sodass mich Google zu den Hills in Leopardstown schickte. Natürlich ganz falsch, irgendwann gab ich noch „Race“ in die Suchanfrage und siehe da, ich durfte den ganzen Weg wieder zurück laufen. Ist eigentlich nicht so schlimm, 1,1 km ist man schnell gelaufen, aber nicht wenn man in 7 cm Sandalen bei Dauerregen durch die Gegend läuft. Meine Füße waren klitschnass und meine Geleinlage hatte sich auch schon verabschiedet, da der Kleber bei so viel Feuchtigkeit nicht mehr haftete.

Endlich am Eingang, lief ich noch ne gefühlte Ewigkeit bis zum ersten Gebäude und dort traf ich auf die anderen Studenten. (Von meinem Bekanntenkreis wollte keiner mit, war also die Einzige.) Da standen sie also und tranken ihren Alkohol leer, da Getränke absolut verboten waren mit rein zu nehmen. Einige schafften es ihn reinzuschmuggeln, die anderen leerten die Flaschen. 
Die Schlage war ewig lang, da alle Taschen kontrolliert wurden. Einige Leute verteilten Regenschirme, ich bekam auch einen ab, da Jacke und Kapuze schon total durchnässt waren. (Wie gesagt, in Irland gibt es weder falsche noch richtige Kleidung, nur das falsche Wetter!)
Auf dem Gelände gab es ein großes Festzelt in welchen die bestgekleidetste Studentin und bestgekleideste Student gekürt wurden (man musste sich aber vorher anmelden) unter der Bühne war eine Bar mit Toiletten. Um auf die Bühne zu gelangen konnte man mit einer Rolltreppe fahren oder die Treppe nehmen, dann war man wie auf einer Art Plateau und die Bühne ging stufenweise nach unten. Ich setze mich in die oberste Reihe um einen guten Blick über das Rennfeld zu haben. Dass das keine gute Idee ist merkte ich im Laufe des nachmittags.

Bet and Win

Ich muss zugeben, es war nicht nur schlecht. Zum ersten Mal sah ich das ganze Treiben nicht im Fernsehen oder las es in einem Buch, sondern erlebte es hautnah. Die Wettbüros hatten sich vor dem Rennparcour aufgebaut, sodass jeder seinen Tip abgeben konnte. Am Rand war ein großer Bildschirm aufgebaut, um alles sehen zu können, dahinter waren die Stallungen und ich konnte die vielen teuren Pferdewagen sehen. Die Mädels hatten sich alle fein herausgeputzt, als ob sie ihren Abschluss von der Schule feierten: Kurze Kleider, auffälliger Schmuck, knallroter Lippenstift aufgetragen, mit Hut oder anderem Haarschmuck, sowie kleiner Tasche. Auch die Männer ließen sich nicht lumpen und erschienen ausnahmslos in Hemd und Krawatte, oftmals im kompletten Anzug.

Aber was nützt einem die schönste Aufmachung, wenn sich alle wie Idioten benehmen und die ganzen hübschen Klamotten total eingesaut sind. Ich bekam ein paar Mal einen Fußritt in den Rücken. Wie das geht? Ich saß ganz oben auf der Tribüne und hinter mir war ein hohes Geländer auf dem man wunderbar sein Bier abstellen und das Feld sehen konnte. Mein Rücken war also genau auf Fußhöhe, auch bekam ich oft die leeren Bierbecher in den Rücken gekickt, oder wurde mit Zetteln beschmissen. Ich hoffte inständig, dass keiner meine teure Jacke mit Zigaretten anzündet oder in meine teure Kamera Bier kommt.
Ich kam ohne Schaden davon, aber zwei Mädels hatten nicht so viel Glück, sie saßen zwei Plätze neben mir und ganz plötzlich sprangen sie auf. Hinter ihnen hat einer seine Hose geöffnet und ganz ungeniert auf die Sitze uriniert. Die Mädels bekamen leider etwas warmes ab. Das war so der Tiefpunkt des Tages.
Was ist irischer Humoar?
Wir pinkeln alles an – auch Mädels. 

Die Rennen waren dann doch eher Nebensache, ich schaute nur ängstlich um mich, um hoffentlich keine ekeligen Dinge abzubekommen. Auch traute ich mich nicht von meinem Platz aufzustehen, denn auf der Treppe zu den Wettbüros war seit Beginn des ersten Rennens kein Durchkommen. Da versuchte ich lieber kein Geld zu verlieren.


Jede halbe Stunde fand ein Rennen statt, sie begannen 15:40 Uhr und das letzte war um 18:40 Uhr, somit waren es sieben Rennen. Die ersten vier hatten eine Länge von 1,6 km, das fünfte und sechste Rennen wurde auf 2 km vergrößert und das letze Rennen hatte eine stolze Länge von 2,8 km. Auch waren die Rennen 5, 6 und 7 Handicap-Rennen, das heißt ein geschulter Mensch beurteilt die Kraft der teilnehmenden Pferde und verteilt Gewichte. Das schwächste Pferd bekommt kein oder wenig Gewicht und das stärkste Pferd bekommt das meiste Gewicht. Meist sind das Bleigewichte, welche im Sattel angebracht werden und diese werden zusammen mit dem Jockey gewogen um das genaue Gewicht zu bestimmen.

Der Mann scheint keine gute Arbeit gemacht zu haben. Die Rennen ohne Handicap waren viel knapper, als die letzten Rennen mit Handicap, da waren die Abstände deutlich größer. Nach dem letzten Rennen gab es eine After-Show Party, aber mir war nach dem Zirkus und dem Regen jegliche Lust auf Feiern vergangen. Die irischen Studenten hatten sich wieder von ihren besten Seite gezeigt, da konnte ich auf eine längere gemeinsame Zeit getrost verzichten.
Mit meinen kalten Füßen stiefelte ich zur LUAS Station zurück, natürlich mit einer Horde weiterer Gäste, sodass die Bahn ziemlich voll war. Ich war so was von dankbar wieder in meiner Straße zu sein und wärmte mich mit einer heißen Dusche wieder auf.

Leider habe ich nicht die besten Eindrücke von dieser Rennbahn erhalten, obwohl sie die bedeutendste in Irland sein soll. Ja ich weiß, es war Studententag, aber ein bisschen Anstand kann man sich bewahren, oder?

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