Unterwegs

The Wild Atlantic Way – #4 Achill Island

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Die ersten drei Teile des Wild Atlantic Way führen von Kerry, über den Burren nach Connemara. In diesem schönen Gebiet schließen wir nun mit den Achill Islands die Rundreise ab. Der vierte Teil führt auf die Insel:

Auf den Spuren von Grace O’Malley

Das erste Mal traf ich in meinem Reiseführer auf sie. Dann besuchte ich sie in einem Museum, weiter nördlich entdeckte ich ihre Festungen.
Durch Zufall bin ich auf sie gestoßen und war fasziniert. Sie ist eine Piratin. Stammt aus Irland und hat sich mit der englischen Königin angelegt. Sie eroberte die Herzen ihrer Landsleute im Sturm und ist eine Legende bis heute.

Geborgen 1530 in Connemara, ob an Land oder dem Meer kann keiner so genau sagen. Ihr Vater war Clansführer der O’Malleys. Von ihm lernte sie das navigieren auf hoher See. Sie wurde zu einer echten Piratin und ist eine der wenigen bekannten Frauen in der Geschichte Irlands. Sie trägt verschiedenen Namen: Grace O’Malley ist der anglisierte, Gráinne Mhaol Ní Mháille der Irische und ihr Spitzname lautet Granuaile.

Grace O’Malley

Louisburgh und Westport

Die O’Malleys hatten verschiedene Festungen auf Clare Island, Westport und Achill Island.
Wir starteten in Louisburgh. Dort gibt es eine Ausstellung nur über Grace. Liebevoll wurde nicht nur ihre Geschichte, sondern die Lebensweise, Nahrung, Wirtschaft, Politik und anderes aus dieser Zeit dargestellt. Figuren sind entsprechender der damaligen Zeit eingekleidet und auch die Szene der Begegnung von Grace mit der Königin Elizabeth I. Außerdem hat man die Möglichkeit einen Film über das Leben der Piratin anzuschauen. Wir schafften das leider nicht, da wir kurz vor Feierabend erst das Museum fanden. Es befindet sich in einer Kirche, welche auch die örtliche Bibliothek beherbergt. Die Iren scheinen zu viele Kirchengebäude zu haben.
In Westport führte uns der Weg zu Rockfleet, einer ihrer Festungen auf dem Festland. Die Steine waren ziemlich glitschig und die Mauern zeigten Spuren von vielen Hochwassern. Aufgrund von Einsturzgefahr, darf man das Gebäude nicht betreten. So steht der Turm einsam in einer Bucht, nur ein Schild erinnert an den einst mächtigen Clan. Noch schwieriger heranzukommen war es in Achill Island. Der Turm dort war eingezäunt und Schafe bewachten ihn wohl. Aber er bietet eine tolle Kulisse mit den Bergen im Hintergrund.

Rockfleet

Wenn ich die Festungen sehe erkennt man noch ein bisschen das wilde Treiben, die rauen mutigen Bewohner, welche die See bezwangen und ihre erbeuteten Schätze stolz nach Hause brachten. Die Mauern haben sicher einiges zu erzählen, schade, dass ich sie nicht verstehen kann.

Kildavnet Tower

 

Croagh – Pilgern mit dem heiligen Patrick

Doch neben Grace haben die besuchten Orte noch mehr zu bieten. Auf dem Weg nach Louisburgh fuhren wir am „Wild Atlantic Drive“ an dem wunderschönen Doo Lough vorbei.

Doo Lough

Hier erinnert ein Kreuz an die Tragödie während der Hungersnot in Irland (1845-1849): 600 Männer, Frauen und Kinder brachen von Louisburgh nach Delphi Lodge auf um den Grundbesitzer um Nahrung zu bitten. Aber er verweigerte sie, sodass auf dem Rückweg 400 Menschen an Hunger und Kälte starben.

Croagh Patrick

Nach einem kurzen Stopp in Louisburgh ging es Richtung Westport. Unweigerlich stießen wir auf Croagh Patrick, dem heiligen Berg. Hier fastete im Jahre 441 St. Patrick 40 Tage, auf Essen und Wasser. Außerdem erbaute er dort eine Kapelle. Jedes Jahr am „Reek Sunday“, dem letzten Sonntag im Juli, pilgern tausende Menschen in den Ort Murrisk, um sogar teilweise Barfuß den Berg zu erklimmen. Respekt. Wir haben darauf verzichtet.
Weiter in Westport waren wir überrascht von diesem hübschen Städtchen mit seinen kleinen Boutiquen, in welchen wir immer wieder hineinhuschten, nicht immer um vor dem Regen auszureißen.

Achill Island und der Deutsche

Bei dem Städtchen Newport liegt das Dominikanerkloster Burrishoole.

Burrishoole

Es befindet sich in einer ruhigen Bucht. Leider lässt das graue Wetter alles immer so trist aussehen, sodass wir uns dort gar nicht so lange aufhielten. Unser Ziel war nämlich Achill Island.

Achill Sound

In Mulrany folgten wir wieder dem Wild Atlantic Drive der Küste entlang. Wir umrundeten das Südufer und konnten gar nicht oft genug anhalten um das Meer und die Küste zu bestaunen. Wir erreichten Achill Sound. Die Stadt und die Brücke sind der Verbindungspunkt von Insel und Festland. Von dort fuhren wir weiter an der Südküste entlang. Unterwegs bestaunten wir nicht nur die höchsten Klippen Europas sondern fanden auch wunderschöne Strände, die bei Sonne sicher noch traumhafter sind.

Keem Beach

Neben der atemberaubenden Natur leben auf Achill sehr nette Einwohner. Wir wurden fast immer gegrüßt, ob nun mit einem Handgruß oder per Lichthupe. Bei einem kleinen Spaziergang an der Nordküste machten wir auf einer schmalen Straße Platz für den Schulbus, nicht nur der Busfahrer bedankte sich, sondern auch die Schüler grüßten, wer hätte das gedacht. Da waren wir baff.

Keel Beach mit den Minaun Cliffs im Hintergrund

Unser letztes Ziel war das Heinrich-Böll-Cottage. Früher reiste der Schriftsteller oft nach Irland, heute beherbergt es eben solche und andere Künstler. Deshalb musste man ganz leise sein (laut einem Schild).

Heinrich Böll

Mit den Achill Islands endete unser Urlaub in Irland. Die letzte Nacht verbrachten wir in Castlebar und von dort fuhren wir wieder nach Dublin zum Flughafen zurück.
Wir hatten eine erlebnisreiche Woche, mit viel Regen und noch mehr Wind. Aber das kann die Schönheit Irlands nicht trüben. Man sollte sich davon nur nicht einschüchtern lassen. Das habe ich nun auch nach vier Monaten Irland endlich gelernt.

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